Weltpolitik und Geostrategie – Von wem geht die größte Gefahr für den Weltfrieden aus?

Vorwort

Wer die wahrscheinliche Entwicklung von geopolitischen Veränderungen vorhersagen will, der muss in die Vergangenheit schauen. In den 90er Jahren habe ich ältere Freunde, die von der aggressiven Außenpolitik der USA und deren verdeckten CIA-Operationen berichtet haben, stets für paranoide Verschwörungstheoretiker gehalten. Dann habe ich selber mitbekommen, wie die USA und Großbritannien die Begründung für den Angriff auf den Irak 2003 herbeigelogen haben. Während die UN-Inspektoren unter Hans Blix zwischen 2002 und 2003 weder Massenvernichtungswaffen noch entsprechende Produktionsanlagen im Irak entdecken konnten, legten die westlichen Kriegsparteien immer wieder neue abenteuerliche Beweise für die Gefährlichkeit des Iraks für den Weltfrieden vor. Von Verbindungen zur Al-Qaida, mobilen Chemiewaffenproduktionsanlagen und in Afrika gekauften Spaltmaterial war die Rede. Alle Beweise, die bereits zur Zeit ihrer Veröffentlichung äußerst unglaubwürdig waren, entpuppten sich im Nachhinein als gefälscht.

Beschäftigt man sich eingehender mit der jüngeren Geschichte, muss man feststellen, dass das Verhalten insbesondere der USA beim Angriff auf den Irak kein Einzelfall war, sondern die Regel. Gerade für ältere historische Ereignisse ist die Quellenlage sogar eindeutiger, weil vormals geheim gehaltene Akten mittlerweile öffentliche zugänglich gemacht worden sind. Wer meinen Aufsatz zu Weltpolitik und Geostrategie mitsamt den beigefügten Quellen durcharbeitet, kommt wie ich zu dem Schluss, dass die wahre Gefahr für den Weltfrieden von dem imperialen Verhalten des militärisch-industriellen-parlamentarischen Medien-Komplexes der USA und seiner Vasallen, den NATO-Ländern sowie bilateral Verbündeten, ausgeht und dass die westlichen Leitmedien nicht die umfängliche und neutrale Information ihrer Konsumenten zum Ziel haben, sondern Herrschaftsinstrumente sind, mit denen die westliche Bevölkerung immer wieder von blutigen Angriffskriegen überzeugt werden. Oder er schließt daraus, ich sei ein paranoider Verschwörungstheoretiker, der nachts UFOs sieht.

Zur Einstimmung empfehle ich zumindest den letzten Teil der zehnteiligen Serie von Oliver Stone – The Untold History of The US: Bush & Obama Age of Terror (https://www.youtube.com/watch?v=Yzb9hPHlfgI), den Vortrag des Schweizer Historikers Daniele Ganser zu Regime-Changes (https://www.youtube.com/watch?v=jZmO_cfj9js) sowie die Vorlesung des deutschen Psychologie-Professors Rainer Mausfeld zum Empörungsmanagement (https://www.youtube.com/watch?v=QlMsEmpdC0E).

 

Weltpolitik und Geostrategie

Unser Gehirn ist ein wunderbares Instrument. Es kann Muster erkennen und Rückschlüsse daraus ziehen. Als Konsequenz daraus können wir unser Verhalten anpassen. Mithilfe unserer Kultur sind wir in der Lage, komplexe Muster über längere Zeiträume zu analysieren, Theorien zu formulieren und uns die Folgerungen daraus zunutze zu machen. Diesen Erkenntnisgewinn nennen wir Induktion, die Herleitung einer allgemeinen Regel aufgrund von wiederkehrenden Ereignissen. Die Ableitung von Regeln und Ereignissen aus einer allgemeinen Regel nennen wir Deduktion. Dieses Vorgehen ist der Ursprung und die Grundlage aller Wissenschaften.

Leider sind wir nicht gefeit davor, Muster und Regeln aufgrund von vermeintlich frequentierenden Phänomenen aufzustellen, die entweder gar nicht vorhanden oder vollkommen falsch sind. Diese Regeln können trotzdem in unseren Gesellschaften über Jahrhunderte gelten und unseren Alltag bestimmen, ohne dass sie von der Mehrheit der Menschen angezweifelt werden. Unsere antiken Vorfahren haben Himmelskonstellationen sowie Wetter- und Naturphänomene den Göttern zugeschrieben. Das geozentrische Weltbild der christlichen Kirchen wurde als Beweis gesehen, dass der Mensch im Mittelpunkt eines von Gott geschaffenen Universums steht. Heute können wir Blitz und Donner sowie Nilfluten rational erklären und entmystifizieren. Die Erkenntnis, dass wir auf einem kleinen Felsplaneten zusammen mit anderen Planeten, welche die alten Griechen und Römer für Götter gehalten haben, um einen Stern kreisen, der nur einer von schätzungsweise 10 Trilliarden Sternen im gesamten Universum ist, hat eine Revolution der Weltsicht und des Denkens ausgelöst, die wir die Aufklärung nennen. Nur durch sie leben wir heute in einer größtenteils säkularen Welt, in der Wissen und Fakten unser Handeln bestimmen und nicht Glauben und Überzeugungen. Oder etwa nicht?

Trotz der erdrückenden Beweislast unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen wie der Biologie, Geologie und Anthropologie sowie den als physikalisch gesichert geltenden Datierungen mithilfe der Radiokarbonmethode gibt es noch immer eine ganze Reihe von Menschen, die an die Schöpfungslehre ihrer jeweiligen Religion glauben. Christliche Junge-Erde-Kreationisten gehen gemäß der Genesis in der Bibel von einem Alter der Erde zwischen 6.000 und 10.000 Jahren aus. Wieso hält sich der Kreationismus in unserem aufgeklärten Zeitalter?

Jede Weltanschauung beginnt mit einer Prämisse, etwas Vorausgeschicktem, das als wahr angenommen wird und nicht aus etwas anderem logisch geschlussfolgert wurde. Die Theologie beruht auf der nicht beweisbaren Prämisse, dass Gott existiert. Für den Kreationismus benötigt es noch eine weitere Prämisse, nämlich, dass alles, was in der Bibel steht, wahr ist. Alles, was darauf aufbaut, ist logisch richtig, solange man die Prämissen nicht anzweifelt. Dass sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte, die vor der Schöpfung stattgefunden haben soll, aufgrund dieser Annahmen allesamt falsch sind, ist dann nur noch eine zwingende logische Schlussfolgerung.

Es waren der Zweifel und die Wissenschaft, die uns aus dem glaubenszentrierten Zeitalter heraus und uns in eine aufgeklärte Welt hinein geführt haben. Zweifel kommt bei uns immer dann auf, wenn beobachtete Phänomene nicht mit einer präferierten Weltanschauung vereinbar sind. Wegen der vielen Widersprüche zwischen religiöser Überlieferung und wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gottesgläubige Menschen ständig von Zweifeln geplagt und müssen sich in regelmäßigen rituellen und gemeinschaftlichen Veranstaltungen ihrer Weltanschauung versichern. Es nützt auch nichts, die Wissenschaft als nur ein weitere, auf einer Prämisse basierenden Weltanschauung zu deklarieren, die in Konkurrenz zur Religion steht. Denn die Wissenschaft basiert auf dem Falsifikationsprinzip, d.h., ein Naturgesetz, eine wissenschaftliche Theorie oder Annahme ist falsch, wenn diese in einem jederzeit wiederholbaren Experiment oder einer wiederkehrenden Beobachtung nicht bestätigt werden können. Wissenschaftlich zu arbeiten, bedeutet zu zweifeln. Kreationisten und religiöse Fundamentalisten hingegen benötigen ein streng religiöses Umfeld sowie häufige und regelmäßige Rituale, in denen ein Priester ihnen immer wieder versichert, dass sie die richtige Weltanschauung gewählt haben. Sie müssen sich ständig einreden, dass ihr Glaube und ihre Weltanschauung wahr sind, um ihren Zweifel zu unterdrücken. Die Mehrheit der Menschen, die ihrem Zweifel und wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr vertrauen als den Worten eines Priesters, hält den Kreationismus jedoch für eine Riesendummheit.

Was hat das Ganze nun mit Weltpolitik und Geostrategie zu tun? Der Zusammenhang wird klar, wenn man die von den westlichen Leitmedien immer wieder kolportierte Weltanschauung, dass die USA eine freundliche Demokratie sind und für den Weltfrieden sorgen, mit den Fakten zu Rüstungsausgaben und militärischen Einrichtungen sowie sich wiederholenden militärischen Interventionen der USA, die historisch belegt sind, vergleicht. Ein Mensch mit gesundem Menschenverstand, historischen Kenntnissen sowie dem Mut, an der immer wieder sich gebetsartig wiederholenden positiven Darstellung US-amerikanischer Außenpolitik in unseren Leitmedien zu zweifeln, muss angesichts der Fakten die Erkenntnis kommen, dass die westliche Mainstream-Presse Teil einer Propagandastrategie ist, die der westlichen Bevölkerung regelmäßig die Notwendigkeit aggressiver, kriegerischer Handlungen gegenüber unterlegenen Staaten einredet. Keine Regierung der Welt kann auf Dauer gegen die eigene Bevölkerung agieren. Daher muss sie immer wieder von dem Handeln der Regierenden überzeugt werden. Bewusste Lügen und Falschdarstellungen durch hohe Amtsträger sowie die Verbreitung dieser Lügen in willfährigen Leitmedien sind dabei nicht die Ausnahme, sondern die Tagesordnung.

Um hinter die tatsächlichen Motive der Weltpolitik zu schauen, bedarf es nicht ein Mehr desselben, wie zum Beispiel noch mehr Tagesschau kucken oder noch mehr den Spiegel, die Zeit, die FAZ oder die Süddeutsche zu lesen, sondern eines Bewusstseins der Fakten und Zahlen, Kenntnis der Geschichte sowie eines gesunden Menschenverstandes, der die richtigen Fragen stellt und eins und eins zusammenzählen kann.

Zunächst einige Fakten und Zahlen zur militärischen Rüstung der USA:

  • Das Militärbudget der USA liegt mit derzeit ca. 600 Milliarden Dollar jährlich weit vor dem anderer Länder. Sonderausgaben wie die derzeit geschätzten 4,4 Billionen Dollar für den Irakkrieg sind dabei nicht eingerechnet. Die übrigen NATO-Länder steuern zusammen noch einmal 300 bis 400 Milliarden Dollar pro Jahr für Rüstungsausgaben bei. Russland gibt hingegen derzeit gerade einmal 85 Milliarden Dollar jährlich für sein Militär aus (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/).
  • Die USA verfügen (Stand 2012) über 1950 aktive Atomsprengköpfe, Frankreich über 280, Großbritannien über 160. Beunruhigend ist, dass die USA die noch immer in Deutschland stationierten Atomwaffen erneuern will und an taktischen Atomwaffen, so genannten Mini-Nukes, arbeitet. Russland hat 1740 aktive Atomsprengköpfe.
  • Im Jahr 2008 besaßen die USA nach eigenen Angaben 761 Militärbasen im Ausland. Schätzungen zufolge handelt es sich derzeit jedoch eher um 1.000 militärische Einrichtungen (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Milit%C3%A4rbasen_der_Vereinigten_Staaten_im_Ausland). Russland verfügt zum Vergleich über lediglich insgesamt 25 Militärbasen in ehemaligen Sowjetrepubliken (https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Streitkr%C3%A4fte#Milit.C3.A4ranlagen_im_Ausland).
  • Die USA besitzt derzeit zehn Flugzeugträger sowie neun Hubschrauberträger. 14 weitere Länder der Welt verfügen über jeweils ein bis sechs Flugzeug- oder Hubschrauberträger. Russland hat einen Flugzeugträger (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Flugzeugtr%C3%A4ger). Damit beherrschen die USA als erstes Imperium der Welt alle Weltmeere und können jederzeit jedes Land der Erde angreifen.
  • Die Armee der USA hat eine Truppenstärke von derzeit ca. 1,3 Millionen Soldaten. Die NATO verfügt insgesamt über ca. 2,7 Millionen Soldaten (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/36914/umfrage/streitkraefte-der-nato/).Angesichts der überwältigenden militärischen Überlegenheit der USA sollte klar sein, dass kein Land der Erde ohne Atomwaffen eine ernsthafte Bedrohung für sie darstellt. Der so genannte Islamische Staat mit seinen maximal geschätzten 15.000 Kriegern und einer – im Gegensatz zu den USA, der NATO und den bilateralen militärischen Partnern der USA – hoffnungslos unterlegenen militärischen Ausrüstung kann niemals eine so große Gefahr sein, wie sie in den westlichen Leitmedien dargestellt wird. Das widerspricht jedem gesunden Menschenverstand. Die Fragen, die sich unweigerlich stellen, lauten: Warum existiert der Islamische Staat überhaupt noch, wenn er denn so gefährlich sein soll? Wem nützt die Gefahr? Ist der Krieg gegen den Terror in Wirklichkeit nichts anderes als ein gigantisches Ablenkungsmanöver, um die wahren Gründe für die militärischen Interventionen zu kaschieren?Ein Blick auf die Geschichte der amerikanischen Kriegsführung zeigt, von wem die tatsächliche Aggression in der Welt, insbesondere in den letzten 70 Jahren, ausgeht:
  • Seit ihrer Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien vor 240 Jahren sind die USA fast ausschließlich im Krieg (223 Jahre) mit dem Ziel, ihren Einflussbereich in der Welt zu vergrößern.
  • Alle Kriegseinsätze der USA im 20. und 21. Jahrhundert fanden nicht auf dem eigenen Boden statt, sondern immer in anderen Ländern. Die USA haben immer nur hoffnungslos militärisch unterlegene Länder angegriffen, was darauf schließen lässt, dass sämtliche Kriegseinsätze nicht aus Gründen der Verteidigung stattgefunden haben. Liste der Militäroperationen der USA: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_der_Vereinigten_Staaten.
  • Die zwei größten Angriffskriege der USA nach 1945 begannen nachweislich mit einer Kriegslüge. Der Angriff auf Vietnam und der darauf folgende Vietnamkrieg wurden mit einer bewussten Falschdarstellung des so genannten Tonkin-Zwischenfalls (https://de.wikipedia.org/wiki/Tonkin-Zwischenfall) legitimiert. Der Angriff auf den Irak wurde mit dessen Besitz von Massenvernichtungswaffen begründet. Allein das reicht als Legitimation bereits nicht aus, sonst müssten die USA auch die Atomwaffenländer Russland, Israel, Pakistan, Indien, Frankreich, Großbritannien, Nordkorea und China angreifen und sich dann auch noch selbst vernichten. Doch auch der angebliche Beweis für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak durch den ehemaligen amerikanischen Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat 2003 war nachweislich und bewusst gefälscht (https://www.youtube.com/watch?v=gnYGxGcdifA). Auch die Bombardierung Jugoslawiens 1999 begann mit einer Lüge und wird heute überwiegend als völkerrechtlich nicht legitimiert angesehen (https://www.youtube.com/watch?v=MYcRjHX50og). In allen drei Fällen redeten sich die verantwortlichen Politiker damit heraus, dass sie von ihren Geheimdiensten falsch informiert worden seien. Dass dies dreiste Lügen sind, kann man daran erkennen, dass selbst die verantwortlichen Geheimdienstmitarbeiter nicht strafrechtlich belangt worden sind.
  • Konservative Schätzungen gehen von mindestens sechs Millionen Toten bei den Kriegen aus, in welche die USA seit 1945 verwickelt sind (https://www.journal21.ch/seit-1945-sechs-millionen-tote-in-us-kriegen). Andere wie James A. Lucas kommen auf 20-30 Millionen Tote durch US-amerikanische Interventionen in 37 Ländern seit 1945 (http://www.countercurrents.org/lucas240407.htm).
  • Die Anzahl der Opfer der amerikanischen Angriffskriege steht in keinerlei Verhältnis zu den Verlusten, welche die Kriege ausgelöst haben. Beim Anschlag auf das World Trade Center 2001 sind ca. 3.000 Menschen ums Leben gekommen. Laut der Studie „Costs of War“ (http://watson.brown.edu/costsofwar/) des Watson Instituts der US-amerikanischen Brown University (https://de.wikipedia.org/wiki/Brown_University) sind infolge direkter Kampfhandlungen in den Angriffskriegen auf Afghanistan und den Irak sowie der amerikanischen Kampfhandlungen in Pakistan 370.000 Menschen gestorben, davon 210.000 Zivilisten. Die Studie geht davon aus, dass aufgrund der Folgen der Kampfhandlungen ein Vielfaches dieser Zahl an Unterernährung, Umweltschäden und beschädigter Infrastruktur gestorben sind. Die Studie „Body Count“ (http://www.ippnw.org/pdf/2015-body-count.pdf) der Organisation „International Physicians for the Prevention of Nuclear War” kommt zu dem Ergebnis, dass bereits ca. 1,3 Millionen Menschen den jüngsten Kriegen in diesen Ländern zum Opfer gefallen sind. 7,6 Millionen Menschen wurden aufgrund der Kriege zu Flüchtlingen.
  • Die Drohnenangriffe der USA in Pakistan, Afghanistan, Somalia und Jemen haben bisher ca. 6.000 Opfer gefordert. Gerade einmal maximal 12 Prozent davon sollen tatsächlich Ziele des Angriffs gewesen sein. Der Rest sind so genannte Kollateralschäden (http://www.heise.de/tp/artikel/45/45335/1.html). Die Tötung von Menschen auf fremden Staatsgebieten ist nichts anderes als Terror und genauso niederträchtig wie die Terroranschläge von islamistischen Extremisten in westlichen Ländern.Man könnte glauben, dass die Kriege der Amerikaner in Afghanistan und im Irak aus dem Ruder gelaufen sind und die hohe Anzahl der Opfer sowie die Destabilisierung und die Radikalisierung der Region einfach passiert sind. Das Schema US-amerikanischer Interventionen im Ausland zeichnet jedoch ein anderes Bild. Denn vornehmlich geht es um die Destabilisierung von Staaten, an deren Rohstoffe oder geostrategischen Lage die USA interessiert sind, mit dem Ziel, diese Länder zu Vasallen zu machen, nicht selten mit einem eingesetzten, willfährigen Diktator an der Spitze. Die Situation der Bevölkerung und die Sicherheit in diesen Ländern sind den USA dabei vollkommen egal.Die Liste der Beteiligung der USA an Umstürzen in anderen Ländern ist lang. Hier findet man an eine detaillierte Übersicht aller US-amerikanischen und britischen Interventionen seit 1945: http://www.us-uk-interventions.org/index.html.Nachfolgend einige ausgewählte Umstürze nach 1945 mit direkter US-Beteiligung:
  • Iran, 1953: CIA/MI6-Operation Ajax, Sturz des demokratisch gewählten Premierministers Mohammad Mossadegh, der die Ölquellen des Landes verstaatlichen wollte (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Ajax).
  • Guatemala, 1954: CIA-Operation Operation PBSUCCESS, Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán, der eine Landreform zugunsten von Kleinbauern und zulasten des US-Lebensmittelkonzerns United Fruit Company (heute Chiquita Brands International) durchführen wollte (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_PBSUCCESS).
  • Laos, 1960-75: Eingriff in den laotischen Bürgerkrieg sowie größte bisherige Bombardierung eines Landes, um Laos zu destabilisieren mit dem Ziel, eine kommunistische Regierungsbildung zu unterbinden (https://www.youtube.com/watch?v=KZ3erUF5BJE).
  • Kongo, 1960: CIA-Mordauftrag gegen den ersten Premierminister des unabhängigen Kongo Patrice Lumumba (https://de.wikipedia.org/wiki/Patrice_Lumumba).
  • Brasilien, 1962-64: CIA-Operation Brother Sam, Unterstützung des Militärputsches gegen den demokratisch gewählten Präsidenten João Goulart (http://www.heise.de/tp/news/50-Jahre-Operation-Brother-Sam-2162789.html).
  • Chile, 1963-73: CIA-Operationen FUBELT, Track I und Track II, erfolglose Verhinderung der Wahl des Sozialisten Salvadore Allende zum Präsidenten sowie Unterstützung des Militärputsches gegen ihn (https://de.wikipedia.org/wiki/US-Intervention_in_Chile).
  • Grenada, 1983: Militäroperation Urgent Fury, Sturz und Exekution des Premierministers Maurice Bishop, der soziale Reformen durchgeführt hatte (https://de.wikipedia.org/wiki/US-Invasion_in_Grenada).
  • Nicaragua, 1981-90: Waffenlieferungen und verdeckte CIA-Operationen zur Unterstützung des Contra-Krieges gegen die linksgerichtete Regierung (https://de.wikipedia.org/wiki/Contra-Krieg). Wegen der aufgedeckten illegalen Finanzierung der Contras in der Iran-Contra-Affäre wurden die USA vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag schuldig gesprochen. Diese erkannten das Urteil trotz einer dementsprechenden UN-Resolution nicht an (https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re).
  • Panama, 1989: Militäroperation Just Cause, Invasion des Landes zum Sturz des Quasi-Präsidenten Manuel Noriega, der zuvor von der CIA finanziert wurde, jedoch den Panama-Kanal dem Einfluss der USA entziehen wollte (https://de.wikipedia.org/wiki/US-Invasion_in_Panama, https://www.youtube.com/watch?v=Zo6yVNWcGCo).
  • Afghanistan, 1979-92: CIA-Operation Cyclone, Bewaffnung, Ausbildung und Finanzierung afghanischer islamistischer Widerstandskämpfer (Mudschaheddin) zum Sturz der pro-sowjetischen Demokratischen Republik Afghanistan sowie zur Bekämpfung der sowjetischen Invasion, wodurch den Taliban der Weg geebnet wurde. Die sowjetische Armee war in Afghanistan einmarschiert, um die dortige kommunistische Regierung zu unterstützen und um eine Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in Afghanistan auf die Nachbarstaaten in Zentralasien zu unterbinden (https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Intervention_in_Afghanistan). Mit Cyclone, die längste und teuerste (7,4 Milliarden Dollar) Operation in der Geschichte des CIA (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone), war es den Amerikanern gelungen, die Sowjetunion in ihren eigenen Vietnamkrieg zu locken. Wie die Mudschaheddin 1983 in den USA wahrgenommen wurden, wird kaum deutlicher als auf diesem Bild (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b8/Reagan_sitting_with_people_from_the_Afghanistan-Pakistan_region_in_February_1983.jpg). Während die amerikanischen Leitmedien die Operation Cyclone ignorierten und die Sowjetunion verteufelten, sagte der ehemalige CIA-Agent John Stockwell bereits 1989 die Entwicklung Afghanistans zum Failed State aufgrund der Destabilisierung durch die CIA voraus (https://www.youtube.com/watch?v=O5Lnnn9smmg).
  • Afghanistan, 2001 bis heute: Operation Enduring Freedom, Sturz des seit 1996 in Afghanistan herrschenden Taliban-Regimes nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York. (https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001).
  • Irak, 1960-79: Die Liste der US-Interventionen im Irak ist lang. Ähnlich wie in Afghanistan war das Ziel der Operationen im Irak die Verhinderung und Destabilisierung von kommunistischen und sowjetnahen Regierungen sowie der Schutz der Iraq-Petroleum-Company, welche in amerikanisch-britischem Besitz war und ein Monopol auf alle Ölförderungen im Irak hatte. Hierzu wurden unter anderem kurdische Rebellen im Irak von den USA unterstützt, während die Sowjetunion die irakische Regierung mit Waffen belieferte (https://en.wikipedia.org/wiki/CIA_activities_in_Iraq).
  • Irak, 1979-90: Nach der Islamischen Revolution im Iran 1979, in welcher der mit der USA verbündete Shah gestürzt wurde, änderten die USA ihre Haltung gegenüber dem Irak. Dies wurde von dem seit 1979 im Irak regierenden Saddam Hussein begrüßt, der Führer der arabischen Welt werden wollte. Als dieser 1980 den Iran angriff, nahmen die USA noch eine neutrale Position ein. Doch spätestens seit 1982 pumpten die USA Waffen im Wert von mehreren Milliarden Dollar in den Irak und lieferten taktische Unterstützung und Aufklärung (https://en.wikipedia.org/wiki/United_States_support_for_Iraq_during_the_Iran%E2%80%93Iraq_war). Der Emissär der US-amerikanischen Regierung im Irak zu dieser Zeit war der später unter George W. Bush amtierende „Kriegs“-Minister Donald Rumsfeld, der Saddam Hussein zweimal traf (https://www.youtube.com/watch?v=_3WofUf8m_k). Die Perversion des Verhaltens der US-amerikanischen Regierung kann man daran erkennen, dass sie nicht nur den Irak mit Waffen belieferte, sondern im Rahmen der Iran-Contra-Affäre (https://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Contra-Aff%C3%A4re) gleichzeitig an den Iran Waffen verkaufte. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Ziel der amerikanischen Regierung nur die Destabilisierung der Region war. In dem acht Jahre andauernden Iran-Irak-Krieg, der mit einem Patt endete, kamen je nach Schätzung bis zu einer Million Menschen ums Leben. Beide Länder verschuldeten sich zutiefst, was ein Grund dafür war, dass der Irak 1990 Kuweit angriff (https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg).
  • Irak, 1990 bis heute: Nach der Annexion Kuwaits durch den Irak sowie der Operation Desertstorm zur Befreiung Kuwaits, einer beeindruckenden Demonstration der militärischen Überlegenheit der USA – der Einsatz dauerte Anfang 1991 nur etwas länger als einen Monat, davon gerade einmal vier Tage Bodenkrieg –, wurde der Irak mit wirtschaftlichen Sanktionen und Flugverbotszonen belegt. Die Wirtschaftssanktionen, die zum Tod von Millionen irakischer Zivilisten führten, sollten den Irak zwingen, seine Massenvernichtungswaffen und die zugehörigen Produktionsanlagen zu zerstören sowie das Atomprogramm zu beenden. Die Maßnahmen wurden von westlichen Inspektoren überwacht. Bis 1998 wurden die westlichen Forderungen größtenteils durchgesetzt, die Massenvernichtungswaffen zerstört und deren Produktionsstätten abgebaut. 2003 folgte dann der völkerrechtlich illegitime Kriegseinsatz der USA mit dem Namen Operation Iraqi Freedom gegen den Irak (https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg), welcher die Absetzung Saddam Husseins zur Folge hatte. Unterstützt wurden die USA dabei von einer so genannten „Koalition der Willigen“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Koalition_der_Willigen) bestehend aus Ländern, die sich davon offenbar einen Vorteil versprachen. Die amerikanischen Leitmedien trugen mit der unkritischen Verbreitung der gefälschten Kriegsbegründung, welche Saddam Hussein den Besitz von Massenvernichtungswaffen vorwarf, dazu bei, dass die amerikanische Bevölkerung den Angriffskrieg unterstützte. Kritische Stimmen wurden in dieser Zeit in den USA mundtot gemacht. Der Einsatz amerikanischer Streitkräfte dauerte bis 2011 und kostete geschätzte 4,4 Billionen Dollar. Hinterlassen hat er ein destabilisiertes Land, Al-Qaida im Irak sowie den Islamischen Staat mit ehemaligen Geheimdienstoffizieren Saddam Husseins als Führung auf dem Territorium Iraks und Syriens. Über die Kriegslügen der amerikanischen Regierung klärt diese Dokumentation auf: Uncovered: The War on Iraq (https://www.youtube.com/watch?v=I7MBv9FixxE). Und der nach dem Briten John Chilcot benannte Chilcot-Bericht, der über die Kriegslügen aufklärt, setzt mittlerweile den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair unter Druck (http://www.heise.de/tp/artikel/48/48752/1.html), während Angela Merkel, die 2003 in der Opposition für eine Beteiligung der deutschen Bundeswehr beim Angriffskrieg auf den Irak geworben hat, zu dem Bericht schweigt (http://www.heise.de/tp/artikel/48/48870/1.html).Man könnte an dieser Stelle noch einige weitere Interventionen nennen wie die Unterstützung des Militärputsches in Griechenland 1967, den Angriff auf Serbien 1998 oder den Eingriff in den libyschen Bürgerkrieg 2011. Doch das Prinzip sollte klar geworden sein. Primäres Ziel ist ein Regime-Wechsel und die Einsetzung eines möglichst willfährigen Machthabers, vorzugsweise ein Diktator. Die Mittel dazu sind Subversion, Desinformation, Destabilisierung und Krieg – kurz: hybride Kriegsführung (https://de.wikipedia.org/wiki/Hybridkrieg).Die Gründe für die Interventionen sind immer materieller Natur. Es geht immer um Ressourcen (siehe auch: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48866/1.html), um mögliche Wege für Pipelines und den geostrategischen Einfluss in den unterschiedlichen Weltregionen. Der westlichen Bevölkerung werden als Gründe immer Lügen aufgetischt. Offiziell geht es stets um die Bekämpfung einer potentiellen Gefahr, um die Befreiung eines Volkes (siehe Truman-Doktrin: https://de.wikipedia.org/wiki/Truman-Doktrin) und die Einführung einer Demokratie. Denn schließlich muss die westliche Bevölkerung die Interventionen bezahlen, während nur einige wenige sich die Kriegsbeute einstreichen.Die Kriegslügen werden nicht wahrhaftiger, wenn man sie x-mal wiederholt. Manchmal reicht eine einzige Frage aus, um eine Lüge zu entlarven: Warum besetzt die NATO seit 2001 Afghanistan und warum mussten seit Beginn der Besetzung ca. 150.000 afghanische Zivilisten sterben, wenn die Terroristen, die 2001 das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus angegriffen haben, allesamt keine Afghanen waren, sich in westlichen Ländern radikalisiert haben und von reichen Saudi-Arabern ausgebildet und finanziert worden sind? Weil die Terrorcamps zufällig in Afghanistan lagen? Warum wurde dann nicht Hamburg bombardiert, weil sich dort Mohamed Atta, der Anführer der Terroristen, radikalisiert hat? Oder Saudi-Arabien, weil von dort sowohl die meisten Terroristen als auch deren Geldgeber kamen?Es drängt sich der Gedanke auf, dass der gesamte Krieg gegen den Terror eine einzige riesige Kriegslüge ist. Früher war es der Krieg gegen den Kommunismus, der der westlichen Bevölkerung als Kriegslegitimation verkauft wurde. Heute ist es der Krieg gegen den Terror. Allein die Formulierung der Kriegsziele ist bereits Teil der Kriegslüge. Krieg kann man nur gegen Menschen führen; so zum Beispiel gegen Menschen, die sich zu einer Nation zusammengeschlossen haben. Kommunismus ist eine Ideologie und Terror eine Kriegstaktik. Dagegen kann man keinen Krieg führen. Wenn die USA ihren Krieg gegen den Terror wortwörtlich nehmen würden, dann würden sie Krieg gegen sich selbst führen müssen. Denn die Angriffe auf Menschen in befreundeten Ländern wie Pakistan mittels Drohnen sind völkerrechtlich nichts anders als Terror.Wer die wahren Hintergründe des Krieges in Syrien verstehen will, der muss sich damit auseinandersetzen, dass der Grund ein bereits länger von den USA geplanter Regime-Wechsel ist, da der syrische Diktator Assad, ein langjähriger Verbündeter Russlands, nicht mit dem Bau einer von den USA, Katar und Saudi-Arabien geplanten Gas-Pipeline einverstanden war (http://www.heise.de/tp/artikel/47/47526/1.html). Das Ziel dieser Pipeline, die von Katar aus über Saudi-Arabien durch Syrien führen soll, ist es, Europa unabhängiger vom russischen Gas zu machen und um damit Russland wirtschaftlich zu schwächen. Denn einerseits will die USA nicht, dass sich die europäische Industrie mit russischen Ressourcen verbündet, und andererseits geht die einzige wirkliche militärische Gefahr für die USA von den verbliebenen aktiven russischen Atomsprengköpfen, die auf Interkontinentalraketen montiert sind, aus. Der Islamische Staat ist ein hervorragender Vorwand für die Intervention, denn das sind ja bekanntlich böse, islamistische Terroristen, während die verbündeten syrischen Terroristen „gemäßigte Rebellen“ sind. Das ist ein Märchen, eine Gutenachtgeschichte, die den Menschen jeden Abend vor dem Einschlafen von der Tagesschau erzählt wird. Wir sind die Guten, und wir helfen den guten Menschen in anderen Ländern. Man kann der westlichen Wertegemeinschaft ja schlecht in einer Regierungsansprache mitteilen, dass im Mittleren Osten mehrere Millionen Zivilisten sterben müssen, weil ein Konglomerat aus militärischen Führern, Ölfirmen und gekauften Staatslenkern die Welt zu ihrem eigenen Vorteil neu ordnen will.

    Hätten wir kritische Leitmedien, dann würde die Mehrheit im Westen von dem „Project for the New American Century“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Project_for_the_New_American_Century) wissen, welches die amerikanische Politik seit dem Ende des Warschauer Paktes bestimmt. Aussagen über die geostrategische Zukunft der Welt aus Sicht der USA wie die von George Friedman (https://de.wikipedia.org/wiki/George_Friedman), dem Leiter eines amerikanischen Think-Tanks, würden in aller Munde sein und ernst genommen werden: https://www.youtube.com/watch?v=gcj8xN2UDKc. Wohlgemerkt: George Friedman ist kein Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik, sondern einer ihrer Vordenker. Er hat nur ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.

    Friedman spricht in seiner eher unfreiwilligen Enthüllung US-amerikanischer Geostrategie eines der wichtigsten strategischen Ziele der USA an: die Verhinderung einer Annäherung zwischen Westeuropa und Russland. Westeuropas Industrie verbunden mit Russlands Bodenschätzen sind derzeit die größte Gefahr für die Vormachtstellung der USA in der Welt. Man darf die Gefahrenlage, die amerikanische Geostrategen am Horizont sehen, nicht unterschätzen. Seit Präsident Nixon 1971 die Goldbindung des Dollars aufgehoben hat (https://www.youtube.com/watch?v=Hh44TtvUQ2s), um die Auslandsschulden der USA zu bedienen und den Vietnamkrieg zu finanzieren, ist der Dollar als Leitwährung in Gefahr. Sollte der Euro den Dollar als Weltleitwährung ablösen, wären die wirtschaftlichen Folgen für die Vereinigten Staaten nicht absehbar.

    Was zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter einer USA-kritischen rot-grünen Bundesregierung möglich war – die Annäherung zwischen Deutschland und Russland, kann man in dieser Rede von Putin 2001 im deutschen Bundestag sehen: https://www.youtube.com/watch?v=9jyLQmyg9hs. Für die Vereinigten Staaten muss diese Rede wie ein Warnsignal gewesen sein. Spätestens seitdem verfolgen sie einen aggressiven Kurs gegenüber Russland und die europäische Einheit:

  • Vorantreiben der seit 1997 begonnenen NATO-Osterweiterung (https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung)
  • Aufspaltung der EU durch die so genannte Koalition der Willigen im Angriffskrieg gegen den Irak 2003
  • Regime-Change in der Ukraine und Provokation Russlands. Welche Rolle die USA bei dem Regime-Change spielten, ist bisher noch nicht ganz geklärt. Es gibt jedoch deutliche Hinweise darauf, dass sie tief darin verwickelt sind, wie das geleakte Telefongespräch zwischen Victoria Nuland, Assistant Secretary of State for Europe (Staatssekretärin für Europa im US-Außenministerium), und Geoffrey Pyatt, US-Botschafter in der Ukraine, kurz vor dem Regime-Wechsel vermuten lässt (https://www.youtube.com/watch?v=WV9J6sxCs5k). Wie die USA reagierte, als vor ihrer Haustüre russische Waffen in Stellung gebracht wurden, kann man an der Kuba-Krise erkennen, welche 1962 beinahe den dritten Weltkrieg ausgelöst hätte (https://de.wikipedia.org/wiki/Kubakrise).
  • Regime-Change in Syrien, um mit dem Bau einer Gas-Pipeline aus Katar zu ermöglichen, dass Europa unabhängiger von russischem Gas wird.Wer glaubt, dass die Regierung der USA für den Frieden in der Welt sorgt und die westliche Welt vor gefährlichen Diktatoren beschützt, der könnte genauso gut an den Kreationismus glauben. So sehr sprechen die Fakten gegen diese Sichtweise, die den Menschen im Westen jedoch immer wieder wie in Predigten von den Leitmedien eingeredet wird. Die Wirklichkeit sieht hingegen anders aus: Die USA sind ein Imperium, das nach absoluter Dominanz in der Welt strebt. Die übrigen NATO-Länder sowie die bilateral militärisch verbündeten Staaten der USA sind die Vasallen des Imperiums. Der Motor ist ein Billionen-Dollar-schwerer militärisch-industrieller-parlamentarischer Medien-Komplex (http://www.free21.org/der-militaerisch-industrielle-parlamentarische-medien-komplex/), am Steuer sitzt eine superreiche Machtelite, die von den geostrategischen Kriegen tatsächlich profitiert, während die Mehrheit der westlichen Welt die Kriege finanzieren muss und westliche Soldaten sowie unzählige gegnerische Soldaten und Zivilisten auf dem Schlachtfeld ihr Leben lassen müssen.Wer weiterschlafen möchte, wählt die blaue Pille, glaubt an die Wahrhaftigkeit der Matrix – in diesem Fall der Glaube daran, dass die Menschen im Westen die Guten sind – und kann die Fakten sowie die zwingenden logischen Schlüsse daraus natürlich weiterhin ignorieren und als haltlose Verschwörungstheorien abtun. Galileo wurde im Mittelalter mit seiner Behauptung, die Erde drehe sich um die Sonne, als Ketzer hingestellt. Wer heute eine von der Mainstream-Folklore abweichende Sicht vertritt, ist ein paranoider Verschwörungstheoretiker. So einfach funktioniert die Welt, wenn man die Deutungshoheit besitzt.Wie Leitmedien ihre Meinungshoheit durchsetzen und alternative Sichtweisen diskreditieren, kann man an folgendem Beispiel gut erkennen. Zunächst schaue man den satirischen Dokumentarfilm „Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore, der die Bush-Regierung in ein Bild rückt, das ihrem tatsächlichen menschenverachtenden, verbrecherischem und skrupellosem Verhalten gerecht wird. Michael Moore: Fahrenheit 9/11 (Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=APST8cs3lwE, Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=ls1jivSQxmY).Dann lese man den Kommentar zu Moores Film von Matthias Gebauer, der früher für die BILD-Zeitung sowie die Berliner Zeitung gearbeitet hat und seit 2008 Chef-Reporter bei Spiegel Online ist: http://www.spiegel.de/kultur/kino/faktencheck-in-fahrenheit-9-11-moores-vereinfachte-welt-a-310795.html. Dieser Artikel ist ein Paradebeispiel für Meinungsmanipulation durch Leitmedien:
  • Überhöhung der eigenen Meinung: Obwohl es sich vermutlich nur um den Kommentar eines einzelnen Journalisten handelt, steht im Untertitel, dass „SPIEGEL ONLINE“, also die gesamte Redaktion, die Faktenlage geprüft habe.
  • Diskreditierung anhand von Nebensächlichkeiten: Obwohl Gebauer in einer der Kernaussagen des Films – das völkerrechtlich illegitime Handeln der Bush-Regierung – mit Moore übereinstimmt, diskreditiert er den Regisseur anhand von nebensächlichen Details, deren Aussagekraft jeder selbst beurteilen sollte. Inhaltlich könnte man den Kommentar von Gebauer auch so lesen: „Die Kernaussagen von Michael Moores satirischen Dokumentarfilm sind faktisch richtig. Lediglich in fünf nebensächlichen Details könnte man die Faktenlage auch anders deuten.“ Doch durch den Aufbau des Artikels und die Fokussierung auf die Details bleibt beim unkritischen Leser hängen, dass Michael Moore generell unglaubhaft ist.
  • Verwirrung durch widersprüchliche Aussagen: Erst weist Gebauer darauf hin, dass Moore in seinem Film nicht lügt, behauptet dann jedoch, dass er an mindestens fünf Stellen faktisch falsch liegt, und er wirft dem Regisseur vor, die Fakten absichtlich verdreht zu haben. Eine Lüge ist eine bewusste Falschdarstellung von Fakten. Was bleibt also beim unkritischen Leser hängen? Michael Moore lügt.
  • Äpfel mit Birnen vergleichen: Die Lügen der Bush-Regierung sowie deren Folgen mit der Polemik eines satirischen Filmemachers, welche die Skrupellosigkeit eben dieser Regierung darstellt, zu vergleichen, ist vollkommen unverhältnismäßig. In der Satire sind überspitzte Darstellungen ein Stilmittel, um den Kern z.B. einer politischen Denkweise zu entlarven. Wer dieses Stilmittel mit den Lügen einer verbrecherischen Regierung vergleicht, welche für den Tod von bisher über einer Millionen Zivilisten in Afghanistan und im Irak verantwortlich ist, hat entweder Satire nicht verstanden, oder sucht verzweifelt nach Argumenten, um einen Menschen wie Michael Moore zu diskreditieren. Denn der Vergleich stellt die vordergründige Kernaussage von Gebauers Artikel dar: „Alternative Medien bedienen sich der gleichen Mittel wie skrupellose Politiker und sind damit nichts anderes als unglaubwürdige Propaganda.“
  • Meinungshoheit von Leitmedienjournalisten: Mit der Schlussaussage, dass Menschen, die an Fakten interessiert sind, dicke Untersuchungsberichte von Kommissionen oder lange Leitartikel lesen, unterstreicht er die Deutungshoheit von Leitmedien wie Spiegel Online und stellt alternative Medien in ein unglaubhaftes Licht.Fazit: Das vordergründige Ziel des Artikels von Matthias Gebauer ist die Diskreditierung von alternativen Meinungsmachern wie Michael Moore. Doch die eigentliche Manipulation besteht darin, dass weitere wichtige Kernaussagen in Fahrenheit 9/11, obwohl sie in Gebauers Artikel überhaupt nicht erwähnt werden, gleich mit diskreditiert werden. Moore spricht in seinem Film das aus, was viele kritische und aufmerksame Menschen denken: George W. Bush sowie die Mitglieder seiner Regierung sind nichts anderes als Kriegsverbrecher, welche für millionenfachen Mord verantwortlich sind. Unterstützt werden die amerikanischen Kriegsverbrechen von den westlichen Leitmedien, die größtenteils vollkommen unkritisch die Kriegspropaganda verbreiten.Mit dem Weglassen genau dieser Kernaussagen und der pauschalen Diskreditierung des Films sowie seines Regisseurs über nebensächliche Details verharmlost Gebauer die amerikanische Außenpolitik sowie die Rolle der Leitmedien bei der Verbreitung der Kriegspropaganda und nimmt sie indirekt in Schutz. Dieses Vorgehen der Leitmedien muss man erkennen, um zu verstehen, wie Manipulation funktioniert. Nur selten wird man die Tagesschau oder Spiegel Online dabei ertappen, aktiv zu lügen. Die Manipulation erfolgt über Weglassen, einseitige Berichterstattung und die Fokussierung auf Nebensächlichkeiten.Wenn man die Frage stellt, warum unsere Leitmedien – Tagesschau, Tagesthemen, heute-Journal, Spiegel, FAZ, Zeit und Süddeutsche – derart einseitig und unkritisch gegenüber der Außenpolitik der USA sowie der Deutschlands berichten, muss man die Frage stellen, wem diese Medien gehören bzw. wer die Richtlinien der Berichterstattung bestimmt, wer sie finanziert und welche Interessen von den Eigentümern und den Unternehmen, die in diesen Medien Werbung platzieren, verfolgt werden. Zur Frage, wem die deutschen Medien gehören, zur Abwechslung etwas deutsche Satire: https://www.youtube.com/watch?v=uPvGtlYxv5U. Detaillierte Informationen über die deutsche Presse- und Fernsehlandschaft findet man hier: https://netzfrauen.org/2013/12/10/teil-1-wer-macht-die-oeffentliche-meinung-ein-paar-wenige-medienkonzerne/. In den USA sind es gar nur noch sechs Unternehmen, die 90% der dortigen Medien beherrschen (http://www.businessinsider.com/these-6-corporations-control-90-of-the-media-in-america-2012-6).Dann muss man noch in Betracht ziehen, dass der bezahlte Journalismus und die Printmedien gerade von Online-Medien abgelöst werden, für die wir nicht mehr bereit sind zu zahlen. Und nicht selten sind Top-Journalisten in Elitezirkel eingebunden wie die Atlantikbrücke (https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke). Mehr dazu hier: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html. Eine inoffizielle Liste der Journalisten, die Mitglieder der Atlantikbrücke sind, findet man hier: http://homment.com/atlantikbruecke.Der Rückgang an gut recherchiertem und bezahltem Journalismus wird ersetzt durch Verbreitung von Nachrichten, die von Nachrichtenagenturen gekauft werden. Weltweit agieren nur noch drei davon: die im Besitz von US-amerikanischen Medienunternehmen befindliche „Associated Press“ (AP), die quasi-staatliche französische „Agence France-Presse“ (AFP) und das privatwirtschaftliche, ehemals britische Unternehmen „Reuters“, das nun einem superreichen Kanadier gehört (https://swisspropaganda.wordpress.com/der-propaganda-multiplikator/). Die Berichterstattung zum Syrienkrieg im deutschsprachigen Raum basiert zum Beispiel zu 78% ganz oder teilweise auf Meldungen von Nachrichtenagenturen und zu 0% auf investigativer Recherche (http://www.free21.org/der-propaganda-multiplikator/).

    Man sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass die westlichen Leitmedien die neutrale und umfängliche Information ihrer Konsumenten zum Ziel haben. Ein Online-Nachrichtenportal, das seinen Lesern kostenfrei Nachrichten zur Verfügung stellt, wird zu 100% aus Werbung finanziert, eine Tages- bzw. Wochenzeitschrift mindestens zur Hälfte (http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/lokaljournalismus/151250/zeitungsfinanzierung).

    Leitmedien sind Herrschaftsinstrumente. Wie soll man sonst erklären, warum die Leitmedien in den USA 2003 die Kriegslügen der amerikanischen Regierung unterstützten, obwohl jeder Laie erkennen konnte, dass die von Colin Powell im UN-Sicherheitsrat vorgetragenen Gründe gefälscht waren?

    Der geballten Leit-Medienmacht stehen alternative Nachrichtenportale gegenüber, die versuchen kritisch, unabhängig und investigativ zu berichten. Aus meiner Sicht empfehlenswert sind folgende deutsche Nachrichtenseiten:

  • Telepolis: http://www.heise.de/tp/
  • KenFM (insbesondere die Interviews): https://kenfm.de/
  • free21: http://www.free21.org/In den Linkempfehlungen von KenFM (https://kenfm.de/empfehlungen/) findet man eine ganze Reihe weiterer lesenswerter Webseiten.Vorsichtig sollte man bei allem sein, was politisch angehaucht ist. Auf politischen Seiten werden alternative Sichtweisen verzerrt, um rassistische, rechts- und linkspopulistische, nationalistische, ausländerfeindliche oder pauschal antiamerikanische Sichtweisen zu bekräftigen. Das Wort „Lügenpresse“ zum Beispiel ist ein politisches Schlagwort, das seit über 150 Jahren in immer wieder unterschiedlichen Kontexten verwendet wird, um jeweils die eigene Politik angreifende Presseartikel zu diffamieren. Es wurde von den Nazis genauso verwendet wie von linksgerichteten Arbeiterbewegungen. Wenn man jedoch etwas Wahrhaftiges über die Welt erfahren will, nützt es nichts, wenn man die Presse pauschal diskreditiert. Man findet immer wieder auch in den Leitmedien Artikel und Beiträge von Journalisten, die neutral, kritisch und gut recherchiert sind. Sie gehen jedoch in der Flut der von den Nachrichtenagenturen übernommen Meldungen und manipulierender Leitartikel unter. Um sich ein Bild von der Welt zu machen, bedarf es jedoch keiner pauschalen Abwertung der Presse, denn schließlich sind alle indirekten Informationen subjektiv verzerrt, sondern eines auf geschichtlichen Fakten basierenden Weltbildes, eines gesunden Menschenverstandes sowie Medienkompetenz – eine kritische Grundhaltung gegenüber nicht vertrauenswürdigen Quellen.Auch die Amerikaner sind nicht per se schlecht und dominant. Das wäre Rassismus. Die amerikanische Bevölkerung wird genauso manipuliert wie die unsrige. Es würde zudem amerikanische Kritiker des eigenen Systems wie Noam Chomsky, Oliver Stone, Michael Moore etc. übergehen.Kritiker der Leitmedien-Folklore werden gerne in die Ecke der Verschwörungstheoretiker oder der extrem Rechten und extrem Linken gestellt, als Putinversteher und antiamerikanisch betitelt. Oder sie werden einfach abgeschaltet, siehe die Abschaltung von Leserforen in der FAZ, Spiegel Online und der Süddeutschen bei Artikeln zu NATO und Russland: http://www.heise.de/tp/artikel/48/48727/1.html.Die Diffamierung von Kritikern der amerikanischen und europäischen Außenpolitik ist angesichts der vorliegenden Fakten zu vergleichen mit der Leugnung des heliozentrischen Weltbildes der katholischen Kirche von dessen Entdeckung im Jahr 1507 bis ins Jahr 1822, als die Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition die Darstellung moderner Astronomie erlaubte. Die Macht der Kirche fußt primär auf dem Glauben der Menschen an die Religion. Daher wurde alles geleugnet, was diese in der Öffentlichkeit in Misskredit gebracht hat. Die Macht des Militärisch-industriellen-parlamentarischen Medien-Komplexes der USA basiert auf dem Glauben der Öffentlichkeit im eigenen Land und in den Partnerländern, dass er für Frieden und Sicherheit auf der Welt sorgt. Wer seine Informationen ausschließlich aus den Leitmedien bezieht, könnte genauso in eine fundamentalistische Kirche gehen und sich davon überzeugen lassen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse gelogen sind und das einzig Wahre in der Welt das Wort Gottes ist.

    Was wir dringend benötigen, ist ein neues Zeitalter der Aufklärung. Propaganda kann man nur durch Fakten entlarven und nicht durch Gegenpropaganda. Da man nicht erwarten kann, dass die westlichen Leitmedien die Fakten verbreiten, bedarf es der Grundfähigkeit der Medienkompetenz. Es muss klar sein, dass Aufklärung in den Köpfen der Menschen beginnt und eine aktive Haltung voraussetzt, was soviel bedeutet, dass jeder Mensch in der Lage sein muss, selbständig nach vertrauenswürdigen Quellen zu suchen. Weiterhin auf dem Sofa Tagesschau kucken und Spiegel Online lesen sind keine Lösung, sondern das Problem.

Rechtes Gedankengut ist die Perversion der Kultur

Rechte Parteien sind in Europa auf dem Vormarsch. In Ungarn und Polen regieren bereits die Rechtspopulisten und schaffen die Gewaltenteilung und Pressefreiheit, zentrale Bausteine moderner Demokratien, ab. In Frankreich ist der Front National bei den letzten Europa- und Regionalwahlen zur drittstärksten politischen Kraft aufgestiegen. In Österreich ist um Haaresbreite ein rechter Präsident abgewendet worden. Die schlechte Nachricht: Halb Österreich wählt rechts. In Deutschland hat die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aus dem Stand 24 Prozent geholt und liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2017 bei bis zu 15 Prozent.

Die Grünen, eine Partei, die mit ihrer Politik an die Vernunft der Menschen im Umgang mit den Ressourcen unserer Erde appelliert, haben Jahrzehnte benötigt, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Wie schaffen die rechten Parteien es, innerhalb so kurzer Zeit so viel gesellschaftlichen Zuspruch zu bekommen?

Der Arzt und Journalist Hoimar von Ditfurth hat in seiner Autobiografie „Innenansichten eines Artgenossen – Meine Bilanz“ vier „Neandertalergesetze“ formuliert, die nicht an unsere heutige Zivilisation angepasst sind, jedoch als Instinkte in unserem Zwischenhirn schlummern und stets als Programme abrufbar sind:

  • Fremdenfeindlichkeit (Xenophobie)
  • Bereitschaft zum intraspezifischen Totschlag (Mensch gegen Mensch)
  • Unterordnung des Einzelnen unter die Interessen der eigenen Gesellschaft
  • die Interessen der eigenen Gesellschaft sind denen aller anderen Konkurrenten übergeordnet (Chauvinismus)

Ditfurth sieht in den zehn Geboten Moses den Versuch des heutigen Menschen, die überkommenen Neandertalergesetze einzudämmen. Was in kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern überlebenswichtig war, ist in großen, komplexen Gesellschaften unbrauchbar und kontraproduktiv. Im deutschen Grundgesetz wird die Abgrenzung zu den Gesetzen der Steinzeit noch deutlicher:

  • Artikel 1, Absatz 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. (…)
  • Artikel 2, Absatz 1: Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
  • Artikel 2, Absatz 2: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. (…)
  • Artikel 3, Absatz 1: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
  • Artikel 3, Absatz 3: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. (…)

Religion und Gesetze sind Teile unserer Kultur, sowohl der abendländischen als auch der muslimischen sowie der aller anderen Völker dieser Erde, und Produkte unseres Großhirns. Auch der Islam kennt die zehn Gebote der Bibel. Sie finden sich verstreut, jedoch sinngemäß formuliert im Koran wieder. Rechtes Gedankengut hingegen appelliert an unsere Instinkte, egal ob die entsprechenden politischen Meinungsführer einen Doktortitel führen. Jeder von uns ist in der Lage, sein Gewissen auszuschalten, wenn es um den Einfluss in einer Gesellschaft geht.

Unsere Welt verändert sich im Zuge des seit 50 Jahren hohen und anhaltenden Bevölkerungszuwachses extrem. Aller Voraussicht nach wird uns dieser Zuwachs in den nächsten 50 Jahren erhalten bleiben. Veränderungen können Ängste erzeugen. Rechte Parteien und „besorgte Bürger“ reden den Menschen entgegen aller rationalen Vernunft ein, dass diese Veränderungen eine Notsituation auslösen, denn in Notsituationen vertrauen wir eher unseren Instinkten als unserem Verstand. Das ist der Grund für den Erfolg der rechten Parteien in Europa. Doch wer sich auf die christlich-abendländische Kultur beruft, um seine Fremdfeindlichkeit und seinen Chauvinismus zu begründen, pervertiert die eigene Kultur.

Deutschland ist durch die Aufnahme von Flüchtlingen in der Größenordnung von einem Achtzigstel der Gesamtbevölkerung nicht in Gefahr. Unsere Kultur geht wegen sexueller Übergriffe in einer Silvesternacht auf der Kölner Domplatte, begangen von einer Gruppe von Ausländern, nicht unter. Doch die christlich-abendländische Kultur in ganz Europa ist in ernster Gefahr, wenn ein Großteil der Menschen sein Großhirn ausschaltet und rechten Parteien seine Stimme gibt. Das konnte man während der Diktaturen Francos in Spanien, Mussolinis in Italien und Hitlers in Deutschland sehen, und das sieht man aktuell an den Entwicklungen in Ungarn und Polen.

Wer hat sie verraten? Sozialdemokraten!

Was macht Deutschland so lebenswert? Der überall deutlich zu hörende Autolärm und der Berufsverkehr? Die Industriegebiete und die mit Abgasen verpestete Luft? Grillverbote in Stadtparks und spießige Rentner? Der schmutzige Winter in den Städten und der ständige Regen? Sind das die Gründe, warum so viele Menschen gerne in Deutschland leben wollen?

Sicher nicht. Es gibt deutlich schönere Länder auf der Welt, und damit meine ich nicht Holland.

Sind es vielleicht die Jobs in der Industrie und im Dienstleistungssektor? Dann stellt sich die Frage, warum es die Migranten nicht nach China oder Indien zieht. Nein, das Bild Deutschlands in der Welt ist von etwas anderem geprägt: Es ist die Aussicht auf bescheidenen Wohlstand auch für Mittellose, auf existentielle Sicherheit, Bildung, Gesundheitsversorgung und auf Aufstiegsmöglichkeiten, wenn man sich nur ein wenig anstrengt.

Es ist unsere Kultur, die unser Land so lebenswert macht. Nicht die barocken Kirchen und mittelalterlichen Burgen, die überall herumstehen, sondern der Ausgleich zwischen Arm und Reich, den Arbeiterführer und Politiker in den letzten 150 Jahren erstritten haben. Der Gedanke von freien und gleichen Menschen musste auch eine höhere Teilhabe an den Gewinnen der Unternehmen folgen. Das ist es, was unser Land so lebenswert gemacht hat, und wir sind im Begriff, dieses Kulturgut wegzuwerfen. Es ist eine Mär zu glauben, dass arme Menschen reicher werden durch die Geschenke von Reichen. Menschen sind reich, weil sie ihren Reichtum nicht teilen. Wer etwas anderes glaubt, der hat die Grundsätze des Kapitalismus nicht verstanden. Unternehmer erwirtschaften mithilfe der Arbeitskraft ihrer Arbeitnehmer einen Gewinn. Je weniger sie ihren Arbeitnehmern von diesem Gewinn als Lohn auszahlen, desto größer ihr persönlicher Gewinn und damit ihr Reichtum.

Die Tragödie der momentanen Entwicklung ist, dass es ausgerechnet die deutsche Arbeiterpartei, die SPD, war, die ihre eigenen Erfolge wieder zunichte gemacht hat. Zunächst einmal ist es unverständlich, dass sämtliche sozialdemokratischen Regierungen der Bundesrepublik Deutschland die Staatsschulden erhöht haben. Das schwarz-gelbe Regierungen hemmungslos die Schulden in die Höhe getrieben haben, liegt an den Interessen der Lobbyisten, die diese Parteien finanzieren. Doch von einer Arbeiterpartei hätte man etwas anderes erwarten können. Staatsschulden sind nur kurzfristig eine Umverteilung von Reich nach Arm. Reiche Menschen leihen dem Staat Geld, weil sie zu viel davon haben und sich langfristig durch die Zinsen eine Steigerung ihres Reichtums erwarten. Daher sind Staatsschulden auf lange Sicht nichts anderes als eine Umverteilung des Vermögens von Arm nach Reich, wenn man davon ausgeht, dass die Mittelschicht hauptsächlich die Zinsen und die Tilgung zahlt. Deutschland als Land ist nicht arm. Statt die Staatsschulden zu erhöhen, hätten die sozialdemokratischen Regierungen die Schulden durch eine höhere Besteuerung der Reichen im Land sogar abbauen können.

Doch der Höhepunkt des Verrats der SPD an ihren eigenen Wählern und Unterstützern waren die unsäglichen Hartz-Reformen. Man mag ja etwas Positives an der Agenda 2010 entdecken können, die Aufwertung der Sozialhilfeempfänger zum Beispiel, doch der eigentliche Effekt ist die komplette Verunsicherung des Mittelstandes. Für jeden einzelnen abhängig Beschäftigten gilt nun: Der Abstieg in die Sozialhilfe ist nur ein Jahr entfernt. Die Arbeitslosenversicherung, die man ein Leben lang finanziert, wurde zu einer Notsicherung, auf die man sich gerade einmal 12 Monate verlassen kann. Dann heißt es, das Ersparte aufzubrauchen, bis man Anspruch auf die neue, Menschen gängelnde Sozialhilfe namens Hartz IV hat. Menschen, die um ihren bescheidenen Wohlstand fürchten, überlegen sich nun zweimal, ob sie für ihre Rechte als Arbeitnehmer eintreten und dadurch eine Kündigung riskieren. Das hat die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen in den Betrieben, die Hauptunterstützer der SPD, geschwächt. Um den Verrat noch persönlich zu besiegeln, wechselte der ehemalige „SPD-Superminister“ für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement nach seinem Amt in die Aufsichtsräte von Energieunternehmen und Banken und warnte 2008 die Wähler sogar davor, die SPD in Hessen zu wählen, da sie der Linken zu nahe stand. Kanzler Schröder wurde nach seinem Amt Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG, die zu 51 Prozent dem russischen Unternehmen Gazprom gehört und die Ostseegaspipeline von Russland nach Deutschland gebaut hat, die er als Kanzler gefördert hat. Willy Brandt und Herbert Wehner würden sich angesichts so viel unehrenhaften Verhaltens im Grabe umdrehen.

Die Agenda 2010 hätte einer schwarz-gelben Regierung gut zu Gesicht gestanden. In den Augen der SPD-Wähler war sie Verrat, und deren Verantwortlichen waren Verräter. Heute erklärt ein kleinlauter SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, dass die Agenda 2010 ein Fehler war. Doch anstatt die linke Mehrheit im Bundestag von 2005 bis 2009 und von 2013 bis heute zu nutzen, um endlich wieder sozialdemokratische Politik zu machen, führt die SPD die neoliberale Politik in der Koalition mit der CDU/CSU weiter fort. Die Konsequenz aus diesem Verhalten ist, dass selbst der letzte SPD-Wähler mittlerweile versteht, dass bei dieser Partei zwar „sozialdemokratisch“ drauf steht, aber nicht drin ist, zumindest auf Bundesebene. Dabei gäbe es so viele Maßnahmen, mit denen die SPD in Deutschland ihren beschädigten Ruf wieder aufwerten könnte und für die im linken Lager sogar Mehrheiten vorhanden wären:

  • Einführung einer Bürgerversicherung, in der sich alle Bürger mit allen Einkommen an den Kosten für das Gesundheitswesen beteiligen
  • Ausweitung der Bürgerversicherung auf die Rentenversicherung
  • Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens statt Hartz IV
  • Einführung einer Finanztransaktionssteuer
  • Höhere Besteuerung von Unternehmensgewinnen
  • Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 45 Prozent und konsequentere Besteuerung von Reichen

Der wahre Skandal ist jedoch, dass die Reallöhne (inflationsbereinigte Löhne) in Deutschland heute niedriger sind als vor der Jahrtausendwende, während die Produktivität um ein Viertel und die Unternehmens- und Vermögensgewinne um zwei Drittel gestiegen sind. Die Politik von allen regierungsbeteiligten Parteien (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP) hat diese Entwicklung durch geringe Unternehmensbesteuerung und die Abwälzung der Sozialkosten auf die Arbeitnehmer begünstigt. Es ist kein Wunder, dass sich viele Menschen enttäuscht von der Politik abwenden und nicht wählen gehen. Die ganz Unterbelichteten glauben sogar, die in Deutschland lebenden Ausländer und Bürgerkriegsflüchtlinge sind Schuld an dieser Entwicklung, und wählen die AfD.

Die einzige Partei, die konsequent die Interessen der deutschen Arbeitnehmer vertritt, ist die Linke, doch die wird im Bundestag von den etablierten Parteien ausgegrenzt sowie, oh Wunder, von den öffentlichen Medien, die von den etablierten Parteien beherrscht werden, und den privaten Medien, die privaten Unternehmen gehören, als unwählbar dargestellt. Dabei war es linke Politik, die Deutschland zu einem Wohlfahrtsstaat gemacht hat.

Solidaritätsbrüche

Begriffe können manchmal sehr entlarvend sein. In der Pegida- und AfD-Terminologie werden Menschen, die anderen Menschen in Not helfen wollen, als „Gutmenschen“ beschimpft, welche zu viel „Fremdenliebe“ hätten und auf die „Tränendrüsen-Propaganda“ der traditionellen Parteienlandschaft hereinfallen würden. Was sagt das über diejenigen aus, die solche Begriffe verwenden und jegliche Nothilfe verweigern wollen? Die logische Folgerung wäre, dass sie „Schlechtmenschen“ sind, die zu viel „Fremdenhass“ in sich tragen und auf die „kaltherzige Hass-Propaganda“ der Pegida- und AfD-Bewegung hereinfallen.

Ein immer wiederkehrender Begriff der rechtspopulistischen Propaganda ist der der „Lügenpresse“. In Deutschland gibt es derzeit ca. 48.000 hauptberufliche Journalisten und ca. 22.500 freiberufliche Journalisten (Quelle: http://blog.zeit.de/schueler/files/2010/09/8.2-JournalistInnen_in_D.pdf), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, möglichst objektiv und neutral zu berichten. Dem gegenüber stehen ca. 20.000 AfD-Mitglieder und derzeit ca. 8.300 bis 9.200 Pegida-Teilnehmer. Diese Menschen verfügen größtenteils nicht über eine journalistische Ausbildung und beziehen ihre Informationen hauptsächlich aus eben jener Presse, die sie kritisieren. Sie sind mit der Interpretation der Informationen nicht einverstanden und bezichtigen die Journalisten daher der Lüge. Sie picken sich einzelne Pressemeldungen heraus und überhöhen sie, so dass sie ihre ideologische, rechtspopulistische Weltanschauung untermauern.

So wird aus einer Millionen Flüchtlingen eine „Invasion“, bei einer Bevölkerung Deutschlands von 80 Millionen. Ob sie auch von einer Invasion sprechen würden, wenn auf einem Fest mit 80 Gästen ein fremder hinzukäme? Sie sprechen von islamistischem Terror und einer erhöhten Ausländerkriminalität, dabei liegt die Anzahl deutscher Opfer islamistischen Terrors in Deutschland bei null, und die Kriminalitätsrate von Ausländern ist nicht signifikant höher als die der Deutschen. Was sie aber komplett ausblenden, sind die 58 Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland seit der Wiedervereinigung sowie die 1233 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte zwischen 2011 und 2015 mit stark ansteigender Tendenz. Menschen, die sich der verzerrten Weltsicht der AfD- und Pegida-Bewegung nicht anschließen wollen – und diese befinden sich in Deutschland in einer großen Mehrheit, nennen sie „Realitätsverweigerer“. Was sagt das über die Anhänger von AfD und Pegida aus? Würde ein einzelner Mensch die Realität verzerrt wahrnehmen und alle anderen Menschen der Lüge bezichtigen, würde man bei ihm Paranoia diagnostizieren und ihm Psychopharmaka verabreichen.

Wertet man die Anzahl der Wählerstimmen für die AfD und deren Herkunft bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vom 13.03.2016 aus und geht man davon aus, dass Menschen, die zuvor nicht gewählt haben bzw. die Grünen, die Linke oder die SPD gewählt haben, Protestwähler sind, dann bleibt in allen drei Bundesländern nur ungefähr ein Anteil von ca. 5% der Wahlberechtigten, der wirklich rechts ist. Hochgerechnet auf 64,4 Millionen Wahlberechtigten bundesweit entspricht dies einer absoluten Anzahl von 3,2 Millionen Menschen. Dieser ideologisch verblendete Kern, der zuvor NPD, CDU oder FDP gewählt hat, hat wahrscheinlich schon immer in Deutschland existiert. Jeder Zwanzigste in Deutschland ist also ein verkappter Nazi, der in der Lage ist, sein Mitgefühl für ausländische Menschen komplett abzuschalten, und der die faktische Integration Deutschlands in eine globalisierte Welt mit allen Vor- und Nachteilen und somit auch die Abhängigkeit des Wohlstands in Deutschland von dieser Integration ignoriert. Diese rechte Randgruppe lebt geistig noch im 19. Jahrhundert, als man die Kolonien noch offen ausbeuten und die Menschen in den Kolonien als Untermenschen bezeichnen durfte. Dass man selbst mit der am weitesten hochgerüsteten Armee der Welt nicht in das Zeitalter des Kolonialismus zurückkehren kann, hat erst unlängst die USA mit dem Einmarsch in den Irak und ihrem Scheitern bei der anschließenden Befriedung bewiesen. Dass dieses Gedankengut in Deutschland eine Mehrheit mobilisieren kann, ist also sehr unwahrscheinlich.

Wozu die AfD jedoch in der Lage ist, ist die Mobilisierung von ca. 8% Protestwählern im Osten und ca. 5% Protestwählern im Westen Deutschlands, die bereit sind, Parteien jeglicher Couleur ihre Stimme zu geben, solange sie damit nur ihren Protest zum Ausdruck bringen können. Diese Protestwähler werden landläufig auch als Fortschritts- oder Wohlstandsverlierer bezeichnet. Ähnlich wie die Ablehnung von Kriegsflüchtlingen ein Solidaritätsbruch darstellt, deuten diese abwertenden Begriffe auch auf einen solchen zwischen den Wohlstandsgewinnern und Verlierern hin. Es gibt in Deutschland zu viele Menschen in der Mittelschicht, die den sozialen Abstieg befürchten, sowie zu viele Menschen, die diesen Abstieg schon hinter sich haben. Solange die so genannten Volksparteien CDU/CSU und SPD nicht in der Lage sind, die weiter wachsende Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, wird das Potenzial an Protestwählern anwachsen. Ich befürchte jedoch, dass die Volksparteien diese Nachricht, die in den Landtagswahlen vom letzten Sonntag verborgen war, nicht verstehen werden und eher den Forderungen der Rechten nach mehr Zuwanderungsbegrenzung nachgeben werden.

Dieser Text befindet sich auch als Kommentar auf Telepolis: http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Wider-die-erbarmungslose-Geldgesellschaft/Solidaritaetsbrueche/posting-24733936/show/

Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt

Die AfD ist in alle drei Landtage zweistellig eingezogen. In Sachsen-Anhalt erringt sie über 20 Prozent. Es beginnt die Zeit, in der man sich wieder für sein Land schämen muss. Auf dem Papier gebildete Familienpappis (intellektuell kann man AfD-Wähler nicht nennen) haben sich mit ihrer Stimme entschieden, auf hilfsbedürftige Kriegsflüchtlinge einzutreten und das Land näher in Richtung rechter Diktatur zur rücken, anstatt sich gegen eine Politik zu wehren, welche die Mittelschicht seit Jahren nicht am wirtschaftlichen Wachstum beteiligt.

Die unmenschliche Kaltherzigkeit, die hinter diesem Wählervotum steht und die für das weitere Sterben von Menschen auf den Flüchtlingsrouten verantwortlich sein wird, ist mir absolut unbegreifbar. Sich in einem Land, dessen Wohlstand vom Handel mit dem Ausland abhängig ist, in nationalistischer Kleingeistelei vor der Verantwortung in einer globalisierten Welt zu drücken, kann man nur mit politischem Selbstmord beschreiben.

Auf in den Ring

Bis vor kurzer Zeit war ich eher nicht politisch aktiv. Seit zwei Jahrzehnten verfolge ich zwar kritisch die immer größer werdende Macht der Superreichen, den wachsenden Einfluss von privaten Massenmedien, das kriegstreibende Verhalten der westlichen Nationen sowie den Abbau von Sozialleistungen als Folge der Umverteilung von Macht und Geld. Ich habe mich sogar eher schlecht als recht damit abgefunden, dass Deutschland von einem Konsens aus sozialdemokratischer und christlich-konservativer Weltanschauung regiert wird, obwohl ich immer geglaubt habe, dass Deutschland eigentlich links wählt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Grünen und die Linken nur eine Abspaltung der SPD waren.

Doch mit dem Aufkommen einer rechten Partei wie der AfD in Deutschland kann ich nicht länger passiv dem Geschehen folgen. Die aktuelle Entwicklung in Deutschland und einigen anderen europäischen Staaten wie Polen, Ungarn und Frankreich erinnert mich zu sehr an die Zeit vor der Machtergreifung der Nazis. Es besteht derzeit eine echte Gefahr, dass in Deutschland rechtes Gedankengut Einfluss auf die Politik bis auf die Bundesebene nimmt. Menschen, die zuvor aus Angst vor sozialer Ächtung in ihrer Umgebung ihre rechte Einstellung eher für sich behalten haben, fühlen sich nun von „Bewegungen“ wie Pegida und deren politischer Ableger AfD dazu beflügelt, sich öffentlich zu positionieren. Da darf man nicht schweigend zusehen!

Ich habe mich daher entschlossen, meine politischen Ansichten im Forum der Online-Zeitschrift Telepolis zu posten. Telepolis ist eine wichtige Quelle für alternative und kritische Informationen im Infotainment-Brei der Online-Gazetten. Erstaunlicherweise tummelt sich jedoch im Forum zu den Beiträgen eine überwältigende Masse Wutbürger, AfD- und Pegida-Sympathisanten. Ein idealer Ort, um sich zu positionieren und die kritischen Beiträge der Autoren zu unterstützen.

Mein letzter Kommentar befindet sich hier: http://www.heise.de/tp/foren/S-Gruppeninstinkt-Provokation-die-wahren-Gegner-und-die-Ziele-der-AfD/forum-298337/msg-27158456/read/

Wovor die Menschen aus Syrien fliehen

Für alle AfD-, Pegida-, Seehofer-, Söder- und de Maizière-Versteher sowie alle, die glauben, dass sie durch die öffentlichen Medien wie Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen ausreichend informiert sind:

https://archive.org/details/SyriaBeyond

Wie kann man Menschen abweisen, die vor einem Krieg fliehen? Ich kann das einfach nicht in meinem Kopf bekommen! Schämt euch! Schämt euch in Grund und Boden!

Eine Welt – Warum dieser Blog?

Eine Welt – das klingt wie ein positiver Gegenentwurf zu dem, was man alltäglich über unsere Welt in der Presse lesen kann. Ich persönlich glaube ja, dass rein mathematisch gesehen die Summe der guten Taten aller Menschen größer ist als die Summe der schlechten. Warum? Ganz einfach: Wenn es andersherum wäre, würde die Menschheit nicht stetig wachsen, sondern sich gegenseitig dezimieren. Doch die Geschichte der Menschen ist eine beinahe lupenreine Erfolgsgeschichte. Kriege und menschengemachte Hungersnöte haben das Wachstum nicht aufhalten können. Selbst die geschätzten 80 Millionen Opfer des zweiten Weltkriegs konnten bei einem Zuwachs der Weltbevölkerung in den 1940er Jahren von circa 50 Millionen pro Jahr, also 300 Millionen über die Zeit des zweiten Weltkrieges verteilt, die Bilanz nicht ins Negative ziehen. Nur die Pest hat seit dem Mittelalter die absolute Anzahl der Menschen auf der Erde von 431 Millionen im Jahr 1348 auf 375 Millionen am Ende des 14. Jahrhunderts reduziert.

Wieso erfährt man dann aus der Presse so vieles Schlechtes? Die Frage ist sehr berechtigt. Sehnen wir uns etwa eine Apokalypse herbei? Unser Lebensraum, die Erde, wird spätestens in einer Milliarde Jahre unbewohnbar werden. Darin wird die Johannesoffenbarung Recht behalten. Es ist aber nicht zu erkennen, dass wir Menschen bewusst auf einen Untergang unserer Welt hinarbeiten. Im Gegenteil: Damit die Menschheit einem totalen Aussterben durch Naturkatastrophen entgehen kann, muss ein Teil die Erde dauerhaft verlassen. Selbst daran arbeiten wir sogar, auch wenn viele Menschen die bemannte Raumfahrt für überflüssig halten.

Apokalyptische Prophezeiungen und Dystopien dienen uns als Warnung, wie fragil unser Lebensraum ist. Absolut Schlechtes tun wir jedoch nur selektieren Lebensformen unserer Umwelt an. Während wir Menschen unseren Lebensraum auf der Erde ständig erweitern, müssen andere Lebensformen weichen und sterben sogar aus. Diesbezüglich haben wir die schlechte Presse mehr als verdient. Doch juckt uns Menschen das wirklich? Wer möchte quasi Tür an Tür mit einem Rudel Wölfe oder Löwen leben und hin und wieder ein Kind an die Raubtiere verlieren oder gar selber gerissen werden? Oder wer hat Mitleid mit Mücken, Zecken oder Bremsen? Genau, niemand. Wir wählen immer das eigene sowie das Überleben unserer Angehörigen.

Also, noch einmal die zentrale Frage: Warum gibt uns die Presse Tag für Tag so schlechte Noten? Eigentlich machen wir doch alles richtig.

Ich vermute, dass wir Menschen in unserer inneren Welt ein Bild von einer idealisierten äußeren Welt tragen. Dieses Bild ist quasi der Antrieb dafür, dass wir uns in immer größere Organisationsformen zusammenschließen, um das Überleben unserer Art zu gewährleisten. Die Presse erinnert uns jedoch daran, dass das tatsächliche äußere Bild der Welt von dem idealisierten inneren Bild ständig abweicht. Noch immer gibt es grausame Konflikte auf dieser Welt, in denen Menschen sich anderen Menschen gegenüber bestialisch verhalten. Wir Menschen aus dem westlichen Kulturkreis projizieren dieses Verhalten derzeit einseitig auf islamistische Terrororganisationen. Man achte jedoch bitte genau auf die Worte: Menschen verhalten sich bestialisch. Diese Menschen sind Bestien. Bestien sind keine Menschen. Wölfe oder Löwen sind Bestien, gewissenlose Tiere, die Menschen einfach abschlachten. Daher darf man sie einfach wie Tiere töten.

In unserem idealisierten Bild von der Welt sind alle Menschen im Prinzip gleich. Alle haben die gleichen Rechte wie zum Beispiel das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren. Niemand ist wirklich böse, sondern verhält sich höchsten aufgrund seiner persönlichen Geschichte und Sozialisation destruktiv. Um andere Menschen zu töten, ohne von dem Idealbild abzuweichen, müssen wir sie also zu Untermenschen machen. Keine Frage: Die Ideologie der islamistischen Terrororganisationen ist absolut menschenverachtend. In der Ideologie des Dschihadismus sind Ungläubige Untermenschen und dürfen wie Tiere getötet werden. Doch wo genau unterscheidet sich unsere Ideologie von der der Dschihadisten, wenn wir Anführer und Kämpfer der Terrororganisationen ohne Gerichtsverfahren töten, foltern und wegsperren? Wenn wir sie aus der Luft wegbomben und dabei den Tod von unschuldigen Menschen, die zufällig gerade in der Nähe stehen, in Kauf nehmen? Wenn wir Menschen, die vor den Terrororganisationen und unseren Bomben fliehen, im Mittelmeer ertrinken lassen und sie an den Grenzen kalt abweisen, und wenn nur noch den NGOs und Ehrenamtlichen zu verdanken ist, dass sie nicht erfrieren oder verhungern? Wenn wir mit Ländern aus geostrategischen Gründen oder rein nationalen Interessen verbündet sind, obwohl diese gerade die Menschenrechte in ihrem Land abschaffen oder gar verantwortlich sind für illegitime Angriffskriege mit der massenhaften Ermordung von Zivilisten? Wenn wir Menschen in unserer Mitte dulden, die in aller Öffentlichkeit trotz Religionsfreiheit Menschen islamischen Glaubens mit islamistischen Terroristen in einen Topf werfen, deren Ausweisung fordern und das Ganze auch noch Meinungsfreiheit nennen? Die Täter und Brandstifter sind mitten unter uns. Einige sind sogar vom Volk gewählt und üben sehr viel Einfluss aus.

Wenn man einmal die einseitige Sichtweise der westlichen Presse ausblendet, könnte man den Verdacht bekommen, dass die menschenverachtende Ideologie der islamistischen Terroristen nur ein Gegenentwurf zu der menschenverachtenden Ideologie der westlichen Wohlstandsgesellschaft ist. Auch wir machen Flüchtlinge zu Untermenschen, wenn wir ihnen aufgrund der Angst, ein bisschen Wohlstand zu verlieren, die Hilfe zum Überleben verweigern. Wenn die westliche Welt ihrem eigenen Anspruch, die gesamte Welt in eine positive Zukunft zu führen, gerecht werden will, muss sie über ein Konzept verfügen, wie sie Konflikte deeskaliert und fremde Kulturen integriert. Das sehe ich im Augenblick nicht. Ich sehe Eskalation und Segregation.

So, einmal kurz schütteln und zum Ausgangsgedanken zurückkehren. Eine Welt – das ist eine idealisierte Sicht von einer Welt, in der die Menschheit sich als eine einzige Gemeinschaft ansieht und organisiert. Es ist gleichzeitig eine Kritik an der selbstgefälligen und menschenverachtenden Sichtweise der westlichen Wohlstandsgesellschaft, welche die Wahrung und Mehrung ihres Besitzstandes über so grundsätzliche menschliche Errungenschaften wie Hilfe aus Notsituationen setzt.

Ich bin im Gunde Optimist. Ich gehe daher davon aus, dass die Welt immer besser wird. Das passiert jedoch aus meiner Sicht nicht automatisch, sondern erfolgt aufgrund eines Planes, der unserem idealisierten Weltbild entspringt. Der Plan der Entscheidungsträger sowie der Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt ist in diesem Sinne nicht zielführend, da er auf Eskalation und Ausgrenzung setzt. Daher schreibe ich meine Beiträge vor dem Hintergrund folgender hypothetischer Fragen:

  • Was wäre, wenn es eine einzige demokratisch gewählte, nicht korrumpierbare Regierung der gesamten Welt gäbe, die im Interesse aller Länder entscheiden und handeln würde? Man könnte auch fragen: Was wäre, wenn die UNO nicht nur eine machtlose, idealisierte Institution wäre und demokratisch gewählt wäre?
  • Was wäre, wenn die Globalisierung durch eine Weltregierung reguliert werden würde und nicht allein den global agierenden Unternehmen überlassen werden würde?
  • Was wäre, wenn wir beispielsweise Somalia nicht als „Failed State“ ansehen würden, sondern, sagen wir mal, als ein Nehmerland wie Sachsen im Sinne des Länderfinanzausgleichs?
  • Was wäre, wenn das Gewaltmonopol auf der ganzen Welt beim Staat liegen würde und Terrororganisationen von einer einheitlichen Weltpolizei bekämpft werden würden, anstatt dass bei einem internationalen Konflikt die eingreifenden Staaten immer auf die Wahrung der eigenen Interessen bedacht sind?
  • Was wäre, wenn alle Menschen auf der ganzen Welt Reise- und Migrationsfreiheit genießen würden und nicht nur die reichen?

Man kann diese Liste mit vielen weiteren Beispielen erweitern, doch ich denke, der Grundgedanke ist klar geworden.

Der wahre Konflikt unserer Zeit

Neulich habe ich mich gefragt, wo eigentlich der Jagdinstinkt bei den Menschen geblieben ist. Wir waren doch einmal Jäger und Sammler. Bis auf ein paar Jäger und Angler scheint dieser Trieb bei uns Menschen verloren gegangen zu sein. Ich persönlich verspüre jedenfalls kein Verlangen danach, mich stundenlang auf die Lauer zu legen, um dann im richtigen Moment ein Wildtier zu erlegen. Oder stundenlang einem Tier in der heißen Sonne hinterherzulaufen, bis dieses vor Erschöpfung umfällt.

Meine vollkommen unwissenschaftliche Spekulation zu diesem Thema lautet so: Die Endlichkeit der Erde hat uns Menschen gezwungen sesshaft zu werden. Die Sesshaften waren gegenüber den Jägern und Sammlern klar im Vorteil. Ihre Waffen und Verteidigungsanlagen konnten größer und schwerer sein, da sie nicht umherziehen mussten. Sie kamen durch die Landwirtschaft und die Viehzucht mit weniger Land aus und konnten dieses besser verteidigen. Die Jäger und Sammler wurden so immer weiter verdrängt, bis sie ganz verschwunden waren.

Für die Sesshaften wurde es jedoch immer wichtiger, ihr Grund und Boden gegen andere zu verteidigen – oder sich das Gebiet der Nachbarn einzuverleiben. Aus Jägern und Sammlern wurden daher nicht einfach nur Sesshafte, sondern Krieger. Alle Spiele, denen wir Menschen uns widmen, sind im Grunde Wettkämpfe. Es geht immer darum, jemanden anderen zu schlagen und dafür etwas zu gewinnen. Von klein auf üben wir Menschen den Krieg. Dabei differenzieren wir immer zwischen der eigenen Gruppe – das sind die Guten – und der gegnerischen Gruppe – die Bösen.

Aber wer führt eigentlich die Kriege und warum? Ich unterteile in meinem folgenden Gedankenbeispiel eine Gesellschaft grob in drei Schichten: die Oberschicht, die Mittelschicht und die Unterschicht. Die Mittelschicht bildet in einer stabilen Gesellschaft den Unterbau. Sie produziert und konsumiert einen Großteil der Güter. Die Unterschicht ist in irgendeiner Form auf Hilfe angewiesen. Diese bekommt sie von der Mittel- und Oberschicht. Die Oberschicht verfügt über den Großteil der Güter. Diese nimmt sie sich von der Mittelschicht. Die Oberschicht redet sich selbst sowie dem Rest der Gesellschaft ein, dass sie ein Recht auf ihren Status hat und sie diesen notfalls auch mit Gewalt einfordern kann. Wenn ich in diese drei Schichten unterteile, dann auf Basis des Kapitals – materielles Kapital, soziales Kapital und Bildungskapital.

Ein Krieg ist immer ein Wagnis. Ein Wagnis geht man nur ein, wenn ein Gewinn lockt oder ein Verlust droht. Wenn keine äußeren Umstände wie Dürren, überlange Winter oder Völkerwanderungen oder innere Umstände wie eine unersättliche Oberschicht oder eine Bevölkerungsexplosion die Mittelschicht bedrohen, kommt die Mittelschicht mit den vorhandenen Ressourcen aus und kann auch noch die Unter- und Oberschicht versorgen. Die Mittelschicht hat im Normalfall keinen Grund, das Wagnis eines Krieges einzugehen, denn sie sorgt für die Balance in einer Gesellschaft. Die Unterschicht ist abhängig von der Mittel- und Oberschicht. Von der Unterschicht geht nie ein Impuls für einen Krieg aus. Nur die Oberschicht hat die Ressourcen und auch die Motivation, aus einem Krieg einen Profit zu schlagen. Sie ist diejenige, die bereits innerhalb der eigenen Gesellschaft ihren Status mit Waffengewalt einfordert und verteidigt.

Als sich vor 2.500 bis 3.000 Jahren in Griechenland die ersten Stadtstaaten entwickelten, waren es hauptsächlich die Adligen, die gegeneinander Krieg führten. Nur sie verfügten über die notwendigen Mittel wie Waffen, Pferde, Streitwagen und Geld für Söldner. Dann kam jemand auf die glorreiche Idee, dass man viel effektiver Krieg führen konnte, wenn sich die gesamte Bevölkerung daran beteiligte. Mit Schilden und Speere ausgerüstete Fußsoldaten konnten die Adligen von ihren Pferden holen und schlagen. So entstand die moderne Armee, die es noch bis heute gibt: die Kavallerie – heute durch Panzer und Flugzeuge ersetzt – und die Fußsoldaten. Doch die Fußsoldaten kamen aus der Mittelschicht, die eigentlich zufrieden war und gar keinen Krieg führen wollte. Um sie dazu zu bewegen, ihr Leben aufs Spiel zu setzten, mussten sie etwas dafür bekommen: Mitbestimmung. Das war die Geburtsstunde der Demokratie. In einer Demokratie muss die Oberschicht die Mittelschicht davon überzeugen, in den Krieg zu ziehen. Demokratie heißt zwar übersetzt „Herrschaft des Volkes“, ist aber faktisch nur die Mitbestimmung des Volkes. Die Oberschicht kann über Geld und Medien viel mehr Einfluss auf die Politik nehmen, als ein Bürger mit einer Wählerstimme.

Wenn man ein paar Schritte zurücktritt und versucht, das große Bild zu erkennen, gilt diese Logik noch heute. Einen Profit aus einem Krieg herausschlagen kann nur die Oberschicht. Die Mittelschicht der USA hat nicht viel davon, dass Firmen wie Halliburton nun Zugriff auf die Ölfelder im Irak haben. Im Gegenteil, die Mittelschicht musste den Kriegseinsatz finanzieren und die Fußsoldaten stellen. Überzeugt wurde sie durch die Einredung der Oberschicht, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügte und dadurch die USA gefährdet gewesen sei. Nur ein Präventivschlag konnte in dieser Einredung wieder für Sicherheit sorgen. Bis heute schämen sich die Menschen in Amerika so sehr dafür, dieser Lüge auf den Leim gegangen zu sein, dass sie die Verantwortlichen noch immer nicht hinter Gitter gebracht haben. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Oberschicht in den USA bereits so mächtig ist, dass sie sich außerhalb des Rechtssystems bewegt, welches für die Mittelschicht gilt.

Ich bin mir bewusst, dass ich mit meinem Gedankenbeispiel hoffnungslos vereinfache. Doch um die gegenwärtige Situation zu erklären und mögliche zukünftige Entwicklungen aufzuzeigen, muss man wiederkehrende Muster erkennen.

Also, auf der einen Seite haben wir sesshafte Menschen, deren Raum durch das Bevölkerungswachstum immer kleiner wird. Um den Anspruch auf Boden und Bodenschätze in der Welt geltend zu machen, haben wir uns in Nationen und übergeordnete Bündnisse organisiert. Das derzeit erfolgreichste Militärbündnis ist die NATO sowie die vielen Wirtschaftsbündnisse die sich zum großen Teil mit der NATO überschneiden.

Die NATO sitzt fest im Sattel und braucht keinen Gegner auf dieser Welt zu fürchten. Die USA sind die Anführer dieses Bündnisses und beweisen hin und wieder in kleineren Konflikten weit weg von der Heimat dem Rest der Welt ihre militärische Schlagkräftigkeit. Neben der NATO gibt es noch eine Reihe von Alliierten der USA, die nicht in der NATO sind. Die wichtigsten sind Australien, Ägypten, Israel, Japan, Neuseeland und Südkorea.

Die NATO-Partner sowie die nicht in der NATO organisierten Alliierten der USA haben 2014 über eine Billion Dollar für Rüstung ausgegeben. Die USA als Spitzenreiter trägt davon mehr als die Hälfte (ca. 650 Milliarden Dollar). In derselben Zeit haben die wirtschaftlich eng mit den NATO-Partnern verbundenen Staaten China, Russland, Saudi-Arabien, Indien, Brasilien und die Vereinigten Arabischen Emirate zusammen etwas weniger als eine halbe Billion Dollar für Rüstung ausgegeben. China hat mit 216 Milliarden Dollar die höchsten Rüstungsausgaben außerhalb der NATO, Russland gibt gerade einmal 84,5 Milliarden Dollar aus. Die Ausgaben der restlichen Staaten der Welt sind im Vergleich zu diesen Zahlen so gering, dass sie vernachlässigbar sind.

Nach dem Ende des Kalten Krieges, der eine echte Bedrohung für den Weltfrieden dargestellt hat, gibt es außer der NATO weit und breit weder Nationen noch Staatenbündnisse, welche aus militärischer Sicht einen globalen Konflikt auslösen könnten. Die Welt war wahrscheinlich niemals sicherer als jetzt. Die Situation ist paradox. Hochgerüstete Staaten mit einer riesigen Rüstungsindustrie stehen einer nicht existenten Gefahr gegenüber. Kein Wunder, dass jeder noch so kleine Konflikt hysterisch zu einer Bedrohung für den Weltfrieden aufgebauscht wird, um die hohen Rüstungsausgaben zu rechtfertigen. Es bleibt die Frage, warum die Staaten überhaupt noch weiterrüsten.

Auf der anderen Seite haben wir eine vorwärtsgaloppierende technische Entwicklung. Während früher – bis auf einige Ausnahmeschlachten, in denen Glück eine Rolle spielte – die Masse der Krieger ausschlaggebend für den Sieg war, sind es heute die Masse an Kriegsmaschinen sowie deren technischen Fähigkeiten. Die Kavallerie, das Filetstück einer Armee, ist in den industrialisierten Ländern bereits technisch hochgerüstet. Drohnen fliegen ferngesteuert über dem Feindgebiet und können aufgrund ihrer überlegenen Sensoren und Waffensysteme bei Tag und Nacht zuschlagen. Wenn mittelbar auch die Fußsoldaten durch Maschinen ersetzt werden, wird die Zustimmung der Mittelschicht für den Einsatz des Militärs vollkommen überflüssig. Solange die Mittelschicht für einen Krieg nicht bluten muss, sind ihr sowohl die Gründe als auch die Folgen ziemlich egal. Diesen Effekt kann man an den vielen Luftangriffen durch die NATO in den letzten 15 Jahren erkennen. Die breite Bevölkerungsmasse interessiert die wahren Gründe für die Angriffe auf den Irak, Libyen oder Syrien nicht. Ein Terroranschlag in Paris, verübt durch französische und belgische Staatsbürger mit Migrationshintergrund und muslimischen Glaubens, reicht aus, damit der deutsche Bundestag die Beteiligung der Bundeswehr an NATO-Luftangriffen in Syrien beschließt. Auffällig ist, dass die attackierten Länder weder über eine bedeutende Armee noch über Massenvernichtungswaffen verfügen. Dafür besitzen sie jedoch Rohstoffe oder sind geostrategisch von Bedeutung.

Welche Schlüsse kann man aus den Gedankenbeispielen ziehen?

  1. Angst vor dem Islamischen Staat oder anderen islamistischen Terrororganisationen ist vollkommen unbegründet, solange man nicht gerade in Syrien, Libyen, Nigeria, Jemen oder im Irak lebt. Man sollte aus einer Empörung, dass diese Organisationen es wagen, in westlichen Großstädten Selbstmordattentate zu verüben, keine globale Bedrohung machen. Natürlich sind die Opfer beklagenswert, doch es steht nicht der dritte Weltkrieg bevor. Dafür fehlt es den Terrororganisationen ganz einfach an Mitteln. Viel eher sollte man sich fragen, warum junge Menschen bereit sind, sich für diese Organisationen in die Luft zu sprengen. Religiöse Verblendung reicht nicht aus, um das Phänomen zu erklären. Wer es bei dieser Erklärung lässt, der macht es sich sehr einfach. Eine Beschäftigung mit den wahren Gründen könnte hingegen die eigene Verantwortung ans Licht bringen. Dann lieber Augen zu machen und dem Hype glauben.
  2. Man braucht auch keine Angst vor AfD und Pegida haben. Auch nicht vor dem Front National in Frankreich oder anderen Ausländer hassenden Organisationen. Die Oberschicht in den westlichen Industrienationen hat kein Interesse an massenhafter Zuwanderung oder instabilen gesellschaftlichen Zuständen. Das Verhalten von Bundeskanzlerin Merkel ist eine Ausnahme staatsfraulicher Größe und nicht mit der Grundhaltung ihrer Partei vereinbar. Auch die SPD fürchtet den Machtverlust zu Gunsten von neuen Parteien. Die Zuwanderung in Deutschland wird von der Regierungskoalition früher oder später beschränkt werden. Ob das nun mit dem Wort „Obergrenze“ passiert oder nicht, ist vollkommen unerheblich.
  3. Wovor man wirklich Angst haben sollte, ist der wahre Konflikt unserer Tage: der Kampf zwischen Oberschicht und Mittelschicht. Eine globalisierte Oberschicht, die über eine hochgerüstete Armee, in der kaum noch Soldaten notwendig sind, sowie über ein lückenloses automatisierten Überwachungssystem verfügt, braucht weder ausländische noch inländische Gegner fürchten. Wie schafft die Oberschicht, sich so deutlich von der Mittelschicht abzusetzen? Ganz einfach: Es bedarf eines ständigen Bedrohungsszenarios. Der mögliche Zusammenbruch der Wirtschaft hat 2008 als Bedrohung ausgereicht, um deutschen Steuerzahlern für die Rettung von „systemrelevanten“ Banken bis heute 236 Milliarden Euro zu entziehen. Das ist offene Umverteilung. Mit 236 Milliarden Euro könnte man zum Beispiel eine Millionen Flüchtlinge 88 Jahre mit Harz IV versorgen.
    Ein weiteres Bedrohungsszenario ist der islamistische Terror. Mit ihm lassen sich eine teure High-Tech-Armee sowie staatliche Überwachungsmaßnahmen begründen.
    Die Oberschicht gewinnt den Kampf gerade. Die Mittelschicht lässt zu, dass sie immer mehr arbeitet und immer weniger dafür bekommt. Eigentlich müsste sie radikal links wählen, um diesem Trend entgegenzuwirken. Doch es gibt bei uns einfach noch immer viel zu viele Menschen, die von dem ungerechten System profitieren oder die glauben, dass konservative Parteien den Wohlstand der Mittelschicht erhalten.

Was sind mögliche Konflikte in der Zukunft?

Ob in einer Kneipe mit 80 Personen eine Person dazu kommt, macht so gut wie nichts aus. Auch nicht, wenn diese Person auf Kosten der anderen 80 isst und trinkt. 20 Euro durch 80 Personen ergibt 25 Cent für jeden. Wenn jedoch der Aufschrei in der Gesellschaft schon bei einer Millionen Flüchtlinge so groß ist, dass die Leute in Massen auf die Straße gehen und das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine rechte Partei in den Bundestag wählen, wie reagiert sie erst, wenn hunderte Millionen nach Europa drängen? Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird sich die Bevölkerung Afrikas vervierfachen. Besonders im Norden des Kontinents und vor allem in den jetzt schon armen Ländern der Sahelzone ist die Geburtenrate am höchsten. Die aktuelle Flüchtlingskrise ist nur die Spitze des Eisbergs.

Wenn unsere Welt eine Welt wäre, wenn wir uns als Erdenbürger verständen und nicht als Bürger von 193 unterschiedlichen Nationen, die sich gegeneinander ausspielen lassen, dann würden wir jetzt dieser negativen Entwicklung entgegenwirken und die armen Länder Afrikas massiv unterstützen bei der Einführung von Sozial- und Bildungssystemen. Doch dafür müssten wir unsere Xenophobie überwinden, und an der Stelle bin ich Pessimist. Lieber werfen wir das Geld unserer vor Reichtum platzenden Oberschicht in den Rachen, als dass wir es in muslimische Staaten in Nordafrika investieren. So traben wir in einen riesigen Konflikt, in dem es vordergründig um Religion geht. In Wirklichkeit aber werden sich Millionen hungernder Menschen auf der einen Seite und die High-Tech-Armee eines immer noch reichen Europas auf der anderen Seite gegenüberstehen. Die Menschlichkeit wird in dieser Auseinandersetzung sicherlich nicht siegen.